Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Pauly, liebe Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt,
wieder haben wir eine Haushaltsberatung abgeschlossen. Ich werde hier nicht noch einmal alle Zahlen wiederholen, die meine Vorredner in allen Details bereits erwähnt haben. Wieder war es schwierig, weil die finanzielle Lage nur wenige Optionen zulässt. Der Einstieg war aber in diesem Jahr deutlich runder, angenehmer und weniger konfrontativ als im letzten Jahr.
Mit der Prioritätenliste, die Herr Cristiani vorgelegt hat, hatten wir eine gute Vorlage, um die Einschätzungen der Verwaltung mit unseren abzugleichen. Der Spielraum war, wie wohl momentan in allen Kommunen, sehr klein. Um so mehr freuen wir uns, dass wir wichtige Dinge, wie z.B. die Erich-Kästner Schule, wenn auch nur mittelfristig mit Planungskosten, im Haushalt verankern konnten. Schulen und der gesamte Bildungsbereich inklusive der Kinderkrippen und Kindergärten machen einen riesigen Kostenfaktor in unseren Haushalten aus - schon seit Jahren. Das zeigt den Stellenwert, den wir der Bildung und Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen beimessen.
Leider erhalten wir dabei nur sehr geringe Unterstützung, oder auch nur konkrete Aussagen, durch unser Landesministerium. Ein wenig bewegen wir uns hier im Blindflug, streng dem Gewissen und der Hoffnung verpflichtet, dass nicht doch noch eine Landesregelung unsere Bemühungen und Ideen zunichte macht.
Entwicklung der Schullandschaft
Die Entwicklung der Schullandschaft ist eine Herausforderung: Kann der Anspruch auf Ganztagsbetreuung im kommenden Jahr umgesetzt werden? Wie geht es konkret mit der Eichendorff-Schule bzw. mit dem Werkrealschulabschluss weiter? Braucht es dazu eine Kooperation mit der Realschule oder nicht? Wir legen aber nicht die Hände in den Schoß und warten ab, sondern gehen mit Ideen und Neu- oder Umbauten dem Bedarf entgegen.
Die neue Realschule wird in Kürze in Betrieb gehen, immerhin ein Projekt mit über 55 Millionen Euro Umfang. Ein herzlicher Dank gilt hier der Amtsleitung, der Schulleitung und allen Mitwirkenden in diesem Projekt.
Der Bereich der Bildung von Kindern und Jugendlichen ist uns, wie eben erwähnt, sehr wichtig. Das ist gut so. Aber berücksichtigen wir die Wünsche und Bedürfnisse der Adressaten auch angemessen? Bisher findet Kinder- und Jugendbeteiligung bei uns nur anlassbezogen, bei bereits von uns geplanten Projekten statt. Wir wünschen uns aber eine größere Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei der Weiterentwicklung unserer Stadt.
Wir sind sicher, dass Kinder und Jugendliche andere Bedürfnisse und Ansprüche an unsere Stadt haben als wir. Wenn wir sie nur zu unseren Projekten befragen, erhalten wir auch nur zu diesen eine Antwort, aber keine Aussage über Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Entwicklung hin zu einer für alle passenderen Stadt. Anders als ältere Menschen - ich blicke hier in unsere Reihen - haben die Jugendlichen kein Forum, in dem sie ihre Ideen entwickeln und platzieren können.
Daher wünschen wir uns eine „Politikwerkstatt“, etwa im Format des „8er-Rat“ wie er bereits in Freiburg (seit 2015), Trossingen (2024) oder Walldorf (2024) durchgeführt wird und wofür auch der Kommunalverband für Jugend- und Sozialpflege (KVJS) Unterlagen zur Verfügung stellt, oder auch in einer anderen Form.
Wir hatten dieses Jahr viele Sitzungen und Ausschusstreffen. Ereignisse wie die anstehende Entscheidung zum Donaueschinger Klinikum oder auch die überraschende Absage unseres Reitturniers durch den Betreiber machten viele zusätzliche Sitzungen nötig, auch hier möchte ich der Verwaltung für ihr Engagement danken. Generell hat sich der Ablauf gefühlt ein wenig eingespielt, die Sitzungen dauern weniger oft sehr lange (nicht zuletzt dem streng wachenden Auge von Herrn Milbradt geschuldet).
Der Verkehrsversuch in der Innenstadt
Ein anderes Thema, das dieses Jahr alle Gemüter erregt hat, war der Verkehrsversuch in der Innenstadt. Wir stehen weiter hinter dem Versuch, er war wichtig und richtig. Er war auch mutig und viele der Räte wie auch Verwaltungsmitarbeiter haben die sprichwörtlichen Prügel dafür bezogen. Einige, sehr laute Stimmen drohten und malten schlimmste Szenarien aus.
Aber ich habe auch sehr positive Stimmen gehört, meist sehr viel weniger laut. Es waren aber nicht weniger als die lauten. Erschreckt hat uns die krasse Polarisierung und die Aggressivität in der Diskussion. Auch dass unter Händlern offensichtlich Druck auf andere Händler ausgeübt wurde, den Versuch nicht positiv zu bewerten erschreckt uns und spricht nicht für ein gutes Klima unter den Händlern.
Das Ziel des Ganzen waren Verbesserungen für Bevölkerung und Händler sowie die Gastronomie. Wir werden die Ergebnisse der Verkehrszählungen und Umfragen genauer analysieren und die Erkenntnisse in Anträge einfließen lassen. Für künftige Entscheidungen oder Ideen wünschen wir uns mehr Gelassenheit und Bereitschaft, sich darauf einzulassen, zumal wir ja nicht aus dem hohlen Bauch heraus entscheiden, sondern aufgrund sorgfältiger Überlegungen und nach eingehender Beratung durch Fachkräfte und unter Einbeziehung vielfältiger Erfahrungen aus vergleichbaren Kommunen. Außerdem musste in Donaueschingen 2025, das möchte ich noch kurz anmerken, kein einziger Laden schließen, wie wir am 28.11. dem Südkurier entnehmen konnten.
Erfolgreicher Quellsommer
Auch bei dem Thema Verkehrsversuch mit Quellsommer sind zwei Personen besonders hervorzuheben, die sich mit voller Kraft für das Gelingen des Projektes eingesetzt haben. Herr Amma und Herr Kienzler haben Großartiges geleistet. Wir sind Ihnen sehr dankbar dafür.
Ebenfalls den Verkehr betreffend, aber auch noch ungelöst, ist die angedachte Beschränkung des Verkehrs über 7,5 Tonnen in der Innenstadt, incl. Lieferverkehr und Überlandbussen. Das ist aber nicht vergessen und wir sind optimistisch, dass wir im kommenden Jahr eine tragfähige Lösung auch hierfür finden werden.
Bei der Neugestaltung und Ertüchtigung des Hindenburgrings konnten wir uns leider nicht mit einem Bautermin vor der Eröffnung der Realschule durchsetzen. Wir sehen da erhebliche Schwierigkeiten auf uns zukommen, zumal die Realschule für mehr Verkehr in diesem Bereich sorgen wird.
Für die Veränderung der Ausschüsse konnten wir leider ebenfalls keine Mehrheit gewinnen. So konnte kein Ausschuss „Bildung & Soziales“ gegründet werden, der sich gebündelt und konzentriert diesen Themen widmen könnte. Stattdessen wurde der Bauausschuss beibehalten, dessen Auflösung und Integration in den Technischen Ausschuss wir vorgeschlagen hatten. Dieser Ausschuss ist sogar so wichtig, dass er mangels Bedarf 2025 genauso oft abgesagt wurde wie er getagt hat. Wir sind nicht überzeugt von dieser Lösung. Der Bezahlmodus für die Wohnmobile ist nun auch schon seit einiger Zeit in Bearbeitung. Hier wünschen wir uns im kommenden Jahr „Nägel mit Köpfen“ um das Thema abschließen zu können.
"Luft nach oben" in der Äußeren Röte
Bei einem Gespräch mit Bürgern in der „Äußeren Röte“, einem der größten Stadtteile, sind uns einige Schwierigkeiten bewusst geworden. Es gibt dort keine Möglichkeit sich irgendwo zu treffen, um soziale Kontakte zu pflegen. Jetzt, während des Umbaus in der Breslauer Str., werden gerade funktionslose Buswartehäuschen als Treffpunkte genutzt. Der Spielplatz oben in dem Quartier wurde vor einiger Zeit schön gestaltet, aber ältere Jugendliche und Erwachsene haben keine passenden Orte. Daher kam unser Antrag beim Haushalt den Sandplatz des Spielplatzes unten in der Breslauer Str. zumindest durch ein paar Tore aufzuwerten. Dort treffen sich immer wieder Jugendliche und können den Platz nun besser nutzen. Herzlichen Dank an alle Fraktionen, die unseren Antrag mitgegangen sind.
Städteplanerisch ist aber in diesem Quartier noch Luft nach oben, die Äußere Röte hat deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihr momentan zuteil wird. Wir freuen uns auch darüber, dass Herr Pauly auf unsere Anregung hin dort jetzt Bürgersprechstunden abhalten will. Der Anfang ist gemacht, wir werden weiter an einer Verbesserung dort arbeiten.
Für das Neubaugebiet im Konversionsareal hatten wir vor einiger Zeit eine Anschlusspflicht an das Nahwärmenetz vorgesehen. Aus damaliger Sicht war das eine gute Sache. Inzwischen erkennen wir aber, dass nur ein minimaler Prozentsatz der HäuslebauerInnen dort tatsächlich auch die Nahwärme nutzt. Grund hierfür ist die Photovoltaik-Pflicht auf den Dächern, die eine Wärmepumpe sehr viel effizienter und kostengünstiger macht. Wir müssen uns im kommenden Jahr noch einmal dieser Regelung widmen, nachjustieren und ggf. diese Anschlusspflicht streichen. Eine Regelung, die das Bauen nur weiter verteuert, aber keinem einen Nutzen bringt, muss dringend überprüft werden.
Für die Photovoltaik werden wir zeitnah eine Strategie erarbeiten müssen. Wie viel Prozent der landwirtschaftlichen Flächen wollen und können wir in Solarfelder umwandeln lassen? Brauchen wir eine Obergrenze und wollen wir Bedingungen an die Zulassung knüpfen wie beispielsweise Agri-PV?
Eine der bizarrsten Diskussionen, die wir beim Haushalt beraten haben, betrifft genau wie im letzten Jahr die Anschaffung eines Blitzanhängers. Wir konnten uns leider mit keinem unserer Argumente durchsetzen. Weder die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, noch die Einsparung von Mietkosten, noch der durch eine Anschaffung flexibel mögliche Einsatz waren Argumente, die CDU und FDP/FW gelten ließen. Auch Teile der GUB verweigerten die Anschaffung. Die vorgebrachten Gegenargumente scheinen uns vorgeschoben. Man habe ja noch eine mobile Blitzeinheit, die man nützen könne, was prinzipiell richtig ist. Allerdings muss dabei permanent Personal vor Ort sein, Stellenmehrungen werden dem Amt aber seit Jahren verwehrt, trotz einer externen Untersuchung, die schon vor Jahren einen Personalmangel bescheinigte. Man wisse nicht, ob der Bedarf für den Blitzanhänger überhaupt vorhanden sei. Aber in jedem Bürgergespräch besteht uns und auch dem OB gegenüber der Wunsch nach vermehrten Kontrollen und bei einer erwarteten Amortisation spätestens im zweiten Jahr, ist der Bedarf ganz offensichtlich. Uns ist es völlig unverständlich, warum jemand auf eine gesteigerte Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger verzichten möchte, die kostenneutral und flexibler als die bisherige Lösung ist und in den Folgejahren ggf. sogar finanzielle Mittel einbringt. Selbst wenn diese Mittel nicht der Zweck der Kontrollen sind. Die bisher hoch gehaltene Sicherheit scheint vor allem dann als Argument herhalten zu dürfen, wenn man nicht womöglich selbst dadurch ins Visier gerät - schade.
Sondervermögen Infrastruktur
Die Stadt wird aus dem Sondervermögen Infrastruktur 13,2 Mio € erhalten. Diese Zahlen sind jetzt inzwischen bekannt geworden. Dieses Geld kann Donaueschingen in Anbetracht der anstehenden Herausforderungen sehr gut gebrauchen. Der Haushalt ist zwar nicht ausgeglichen, aber wenn wir uns ansehen, wie viel positiver die letzten Jahre im Gegensatz zur Prognose abgeschlossen haben, rutscht uns hier das Herz nicht in die Hose. Mit den zusätzlichen Millionen vom Bund kommt uns auch eine zusätzliche Entlastung zu gute. Wir sind mit dem Haushalt zufrieden und werden ihm hier zustimmen.
Einen herzlichen Dank möchten wir für die Aktionen zum Jubiläum der Partnerschaft mit Kaminoyama und auch den anderen Partnerschaftsgruppen für die Intensivierung der Städtepartnerschaften auch mit der vermehrten Ausrichtung auf jüngere Generationen aussprechen.
Gratulation an Wolterdingen für das tolle Jubiläum in diesem Jahr. Wir bedanken uns bei allen Ortsvorstehern, Ortschaftsräten und Ehrenamtlichen der Stadt, die in vielen Vereinen und Organisationen die Stadt und das soziale Leben darin am Laufen halten und bei den anderen Fraktionen für die meist sehr sachlichen Diskussionen im Ringen um die besten Lösungen.
Außer bei den oben explizit genannten Personen, bedanken wir uns bei Herrn Pauly und der Verwaltung für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir schätzen den offenen Umgang miteinander und haben großes Vertrauen. Das scheint leider nicht bei allen Fraktionen so zu sein, wir bedauern das.
Zum Schluss wünschen wir allen ein friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026.
Für die SPD-Gemeinderatsfraktion
Jens Reinbolz - Fraktionssprecher