SPD-Mitglied Klaus Burger im Gespräch mit Web-Spezialist Ronald Biegler Stellenweise mutete der Abend, den der SPD-Ortsverein im Stockhausen-Saal der Donauhallen mit dem Polizisten Ronald Biegler organisiert hatte, wie eine Satire-Sendung an. Zu simpel sind viele der Tricks, mit denen Betrüger im Internet ihre Opfer aufs Kreuz zu legen versuchen.
Rund vierzig, überwiegend ältere Semester kamen, um Bieglers Erläuterungen zu folgen, die witzig und pointiert verständlich machen, warum trotz medialer Aufklärungs-Veranstaltungen immer noch viele Mitmenschen auf «Enkel-Tricks» hereinfallen, auf E-Mails, die angeblich von Behörden oder Banken stammen und zu «dringendem Handlungsbedarf» auffordern und in finanzielle Verluste münden.
Bei vielen Wirtschaftsunternehmen enden die Aktionen einer regelrechten Daten-Mafia inzwischen in Milliarden-Einbußen durch Erpressung per fremdverschlüsselte Software-Daten, und bei Tausenden von Privatpersonen in empfindliche Leidenswege, die mitunter aus Scham nicht mal zur Anzeige gebracht werden.


Biegler, der selbst auf dem Internet inzwischen auch als «Keynote-Speaker», «Einfluß Trainer» und «5-Sterne-Redner» auftritt, erteilt zahlreiche wertvolle Ratschläge, stößt aber bisweilen auch auf Grenzen. So hatte einer unter den Zuhörenden durchaus schon mal versucht ausfindig zu machen, wer hinter dem fingierten, notrufartigen Anruf einer angeblichen, real aber nicht vorhandenen Tochter oder hinter einerm Kreditinstitut steckte, das um «Bestätigung» vertraulicher Bank-Zugangs-Codes bat.
Bei der betreffenden Bank selbst indessen beriefen sich Mitarbeitende des Kreditinstituts auf ihre eigene Auslegung von «Datenschutz», die sie daran hindere preiszugeben, wer sich hinter gewissen Fake-Kontakten verberge. «Da beißt sich die Katze in den Schwanz», räumt Biegler ein.
Für viele Opfer sind die Tatbestände zu makaber, um darüber lachen zu können und sich zu wundern, was alles möglich ist. Und wer tagtäglich auf dem Netz unterwegs ist, der weiß, daß auch die Polizei aus Überlastung oft nicht in der Lage ist, Spuren nachzugehen, die genauso oft in simplen Sackgassen, auf den Kayman-Inseln, Umweg-Servern und fingierten Adressen landen.


Kein Vergnügen auch für ehrenamtliche Betreuer, die des Öfteren versuchen müssen, ihre Klientel vor Irrwegen zu schützen. In Zeiten von KI sind für viele Betrüger zudem Erpressungen mit scheinbar kompromittierenden Videos leichter zu erstellen, die dann von Fremden genutzt werden, indem sie bei «Nicht-Zahlung» einer gewissen Summe auf dem Internet gepostet würden.
Inzwischen werden auch QR-Codes genutzt, um auf billige Art Daten von Web-Neulingen anzuzapfen, die in der Annahme, irgendeine irrwitzige Gewinn-Chance zu verpassen, auf einen dieser viereckigen Codes klicken. Manches klingt einfach «zu schön», um wahr zu sein, sagt Biegler, um den sich zum Ende der Veranstaltung zahlreiche Zuhörer mit weiteren Fragen scharten. Er rät: «Vertrauen Sie auch mal auf den gesunden Menschenverstand».
Der war´s jedenfalls nicht: KI-generiertes Bild von F.Merz
Bei unklaren Fällen, in denen Unbekannte sich als Polizeibeamte ausgeben, um sich Zutritt zu Haus und Heim zu verschaffen, sei dringend der Rückruf bei der Polizei geraten, die im Zweifel bestätigen könne, ob es sich bei den betreffenden Personen um «echte» Beamte handelt, oder Betrüger. Wenn unter der Rufnummer «110» denn auch gerade jemand Zeit hat, sich in notorisch unterbesetztem Umfeld um die Sache zu kümmern. Manches klingt einfach zu schön, um wahr zu sein.
klk.