«Das ist ja die Frau von dem Plakat!» war nur eine der meist positiven Reaktionen bei den Hausbesuchen im Wahlkreis, von denen Derya Türk-Nachbaur beim «Politischen Frühstück» im Cafe Hengstler berichten konnte. Der Zwischenstand, den der Donaueschinger SPD-Ortsverein vermelden kann, stimmt die Wahlhelfer, von denen rund anderthalb Dutzend ins «Hengstler» kamen, optimistisch.
Direkt danach schloß man sich den «Omas gegen Rechts» an, die direkt vor der Tür für Demokratie und Vielfalt demonstrierten. Die Zahl der Teilnehmenden verdoppelte sich noch einmal, als man sich nachmittags nahezu komplett einer städtischen Führung anschloß, die sich mit dem Thema «Jüdisches Leben in Donaueschingen» befaßte.
Trotz aller Bemühungen, die Migrationspolitik nicht in den Mittelpunkt rücken zu lassen, ließ sich zum separaten Frühstück mit der Wahlkreis-Abgeordneten die Diskussion um das Geschehen von Aschaffenburg nicht vermeiden. Das Vorgehen der Union, den Anschlag für eigene Zwecke zu nutzen, bei dem zwei Tage zuvor ein psychisch Kranker ein zweijähriges Kind aus einer Kindergartengruppe und einen Mann bei dem Versuch tötete die Gruppe zu schützen, wurde mit Befremden betrachtet.
Als rein taktisch und in diesem Zusammenhang durchaus von einem Gefühl des Abgestoßen-Seins begleitet, wurde die Aktion des CDU-Spitzenkandidaten Friedrich Merz kritisiert, aus dem Geschehen «a la Trump» Potential für die Abschottungspolitik der Unionsparteien, Zurückweisungen an den Grenzen und verfassungswidrige Aktionen gegen Asylsuchende zu schlagen.


Die Gesetzesgrundlagen zur Vorbeugung und rechtzeitigen Ausweisung drohender Gewalttäter, so die Sozialdemokraten, seien vorhanden. Die Asylpolitik sei auch unter der Ampelkoalition bereits verschärft worden. «Aber es mangelt an der Umsetzung», so Gottfried Vetter. Wie sich auch in Aschaffenburg gezeigt habe, seien zuviele Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und ausführenden Organen verstreut. Die Koordination müsse besser funktionieren, statt die Schuld für die in jüngerer Zeit unerträglich zunehmenden Anschläge hin und her zu schieben, sagt die Bundestags-Abgeordnete. «Wer hat in diesem Wahlkampf-Getöse, das jetzt vom Zaum gebrochen wurde, eigentlich noch von den Opfern, dem Kindergartenkind und dem Mann gesprochen, der um´s Leben kam, weil er die Gruppe schützen wollte?», so Martina Wiemer.
Die mal wieder denkwürdige Rolle, die hier die Medien und Social Media-Kanäle mit viel Raum spielen, den sie dem Sensationswert und Schnellschüssen a la Friedrich Merz sowie dem ortsansässigen und von manchem persönlich durchaus geschätzten Bundesfraktions-Geschäftsführer der CDU widmen, wurde hier erneut mit Fragezeichen versehen.
Fischen am rechten Wählerrand
Bei allem «Rechtsruck» und Fischen angesehener Politiker nach Potential am rechten Wählerrand, räumt unsere Abgeordnete ein, seien in den zurückliegenden Jahren der Ampelkoalition Probleme wie der Ukrainekrieg, Corona, Klimafragen und wirtschaftliche Schwierigkeiten in so grosser Zahl aufgetaucht, daß der vielzitierte «Normalbürger» eben auch unter starkem Druck stehe – und populistische Einzellösungen stark an Beliebtheit gewännen.
Draußen vor der Tür war Gelegenheit, sich mit den «Omas gegen Rechts» auszutauschen, die permanent für die Einhaltung demokratischer Grundregeln, Respekt, Vielfalt und Fairneß eintreten.
Nahezu komplett schließlich auch die Teilnahme aller Beteiligten an einer später, von Seiten der Stadt nur auf gesonderte Anmeldung möglichen städtischen Führung an Orte in der Kernstadt, die an die Präsenz jüdischer Familien in der Donaustadt bis in die 1930er Jahre erinnert. Sie hatten völlig normalen Anteil am gesellschaftlichen Leben – bis sie von den Nationalsozialisten in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs und im Laufe der Reichspogromnacht, in Anwesenheit organisierter Schülergruppen niedergemacht, mißhandelt und später auf Umwegen in Konzentrationslager deportiert wurden.


Etliche bekannte Namen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Teil um Wiedergutmachung bemühten und in diesen Jahren auch Flüchtenden halfen, sorgen bei solcher Gelegenheit für zeitweise Betretenheit. In diesen Zeiten hingen an der Mauer vor dem Blauen Rathaus auch die Schaukästen mit den jeweils neuesten Ausgaben des «Stürmer», um die Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten, was gerade «angesagt» sei.