Gelegenheit, sich ein Bild über Arbeitsbedingungen und die wirtschaftliche Situation von Familien-Unternehmen in Donaueschingen zu machen, hatte unsere Bundestags-Abgeordnete Derya Türk-Nachbaur beim Spezialisten für Verpackungen, Displays und Werbemedien Bromberger sowie im Hotel- und Restaurantbetrieb «Grüner Baum», dessen Chef Michael Preis auch Vorsitzender der DEHOGA im Schwarzwald-Baar-Kreis ist.
Zu den angesehensten Industriebetrieben in Donaueschingen zählt das Unternehmen von Christof Bromberger mit seinen rund 100 Mitarbeitenden und zweistelligem Millionen-Umsatz, dessen innovative Verpackungs-Lösungen, emotionale Produkt-Inszenierungen und ausgefallene Werbeideen mit modernsten Mitteln umgesetzt werden. Zu den Fragen, die sich in Familien-Unternehmen derzeit stellen, gehören – wie Bromberger beim persönlich geführten Rundgang mit Derya und einer kleinen Gruppe des Donaueschinger SPD-Ortsvereins erläutert - natürlich Themen wie die Erbschaftssteuer, die Tarife im Druckgewerbe, Energie- und Investitionskosten. Gute Nachricht: Bromberger ist einer der wenigen, die sich an Arbeitgeber-Tarife halten.
Unsere Abgeordnete steuert bei, dass laut SPD-Wahlprogramm zehn Prozent der Investitionen bei Maschinen oder Fahrzeugen, die innerhalb eines Jahres getätigt werden, künftig vom Staat übernommen werden könnten. Was schnell mal sechsstellige Summen ausmachen kann.


Immerhin müssen auch erhebliche Lohnsteigerungen aufgefangen werden, die von der Unternehmensleitung auf mindestens zwei Prozent pro Jahr geschätzt werden. Rund die Hälfte der Firmenaufwände sind Materialkosten, etwa ein Drittel ist für´s Personal aufzuwenden. Investitionen in nachhaltige Massnahmen wie Wärmetauscher und Photovoltaik-Anlagen wollen erstmal finanziert sein – auch wenn sie von öffentlicher Seite unterstützt werden.
Bromberger fühlt sich dem Gemeinwohl verpflichtet, wenngleich manches, was in erstarrten Verhandlungs-Ritualen ausgehandelt werde, bisweilen nervt und zu deutscher Bürokratie und Schwerfälligkeit beitrage. «Wir sind froh, dass Ihr im Tarifvertrag seid», sagt Derya Türk-Nachbaur. Interessant auch, dass regionale Unternehmen inzwischen verstärkt kooperieren, um dem Druck überregional verschärfter Wettbewerbs-Bedingungen standhalten zu können, wie der ebenfalls anwesende Druckunternehmer Christof Herrmann bestätigt.
Die globalen Wirtschaftsbedingungen werden unumwunden als zurzeit reichlich «unberechenbar» gewertet – wobei die lokale Verankerung im städtischen Umfeld und gemeinsam mit den hiesigen Arbeitnehmenden hilfreich sei. Bromberger: «Ein Familien-Unternehmen bedeutet, dabei zu bleiben»!
Auf dem Laufenden bleiben
Dem Gemeinsinn dienlich, ergänzt er noch noch schnell im Weggehen, könne allerdings auch ein Pflichtjahr sein, egal ob in sozialen Einrichtungen oder beim Wehrdienst, um das gesellschaftliche Bewusstsein im Sinne gemeinsamer Verantwortung wieder zu stärken. Unsere Abgeordnete nimmt wertvolle Informationen mit, sieht, was auch auf Arbeitgeber existentielle Positionen sind, und verspricht, sich auf dem Laufenden zu halten, was Wirtschafts- und Unternehmenspolitik betrifft.
Genau an die richtige Adresse gerät das Donaueschinger Wahlkampfteam auch bei Michael Preis im «Grünen Baum», der gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden des DEHOGA-Kreisverbandes, Michael Steiger, die Probleme der Hotel- und Gaststättenbranche umreisst. Corona hat bekanntlich schwere Löcher in die Personaldecken gerissen. Wobei die SPD-Abgeordnete gleich zu Beginn darauf verweist, dass zum Schaden aller bundesweit Beteiligten Fragen zu Migration, Aufenthalts- und Arbeitsrecht sowie Mindestlöhnen schnell mal durcheinander geworfen würden.


Den Branchenvertretern wären zum Beispiel flexible Lösungen, die zu einer Wochenarbeitszeit für die Mitarbeitenden führen, wesentlich lieber, als starre Systeme. Michael Preis: «Das wäre – bei aller Einhaltung vorgeschriebener Pausen und Ruhezeiten – wesentlich besser». Wer könne sich heute noch leisten, seine Arbeitnehmer unfair zu behandeln? «Die laufen doch weg», meint er.
Martina Wiemer verweist auf Beispiele in Pflegebereichen, wo man inzwischen – etwa bei nur noch zwei Vollzeitkräften unter 26 Beschäftigten - mit Teilzeit-Modellen durchaus gute Erfahrungen mache.
Andererseits sei ständig von Bürokratie-Abbau die Rede, so Steiger, sowie mal wieder Wahlkampf und entsprechendes «Getöse» sei. Eine schier unerträgliche Phrase. «Ich kann´s schon gar nicht mehr hören», pflichtet ihm Derya Türk-Nachbaur bei.
«Bürokratie-Abbau» als Dauerbrenner
Dabei sei bereits der Transfer von Fachkräften auf den hiesigen Arbeitsmarkt mit erheblichen Problemen verbunden. Die meisten Ausländerbehörden, deren Bewilligung hier gefragt sei, seien chronisch überfordert und unterbesetzt. Dies habe aber auch «viel mit der derzeitigen politischen Debatte im Lande zu tun», meint Derya.
Schwierig sei es für die Betriebe ohnehin schon mit den unterschiedlichen MWSt-Sätzen von 7 % bei Speisen, wenn sie geliefert werden, und Getränken (19%).


Wer «einfach aus dem Fenster raus Fast-Food verkauft, hat es deutlich leichter», so Steiger. Die Zahl der Schnell-Imbisse und neuer Lieferangebote habe in jüngerer Zeit – natürlich auch durch die zurückliegende Coronakrise – um 16 % zugenommen. «Aber wir haben innerhalb von zwei Jahren 7000 Gastronomiebetriebe verloren».
Frage unserer Abgeordneten: «Was treibt Euch an, trotzdem dabei zu bleiben»? Für den DEHOGA-Kreisvorsitzenden Michael Preis ist es die «Leidenschaft für den Beruf, und die Verantwortung für 30 Mitarbeitende». Doch der bürokratische Aufwand müsse in der Tat weniger werden. Einig waren sich alle bei diesem Termin der SPD-Wahlkampf-Tour, dass durch den Wegfall zahlloser Gastronomiebetriebe auch ein Teil des gesellschaftlichen Lebens wegzubrechen drohe, das sich eben an diesen Orten des Gemeinwesens zusammenfinde.
