Klanginstallation in Bedrängnis

Veröffentlicht am 31.03.2025 in Aktuelles
 

Außerordentlich gut besucht ist seit der Neugestaltung des Donau-Zusammenflusses nicht nur die Grüngestaltung mit zahlreichen Informationstafeln, Beobachtungs-Positionen und Gelegenheiten zum Verweilen an jenem Ort, an dem sich Brigach und Breg vereinen. Schließlich ist die Donau der zweitlängste Fluß Europas und durchfließt auf ihrer über 2800 km langen Reise von Ost nach West ganze zehn Länder – so viel wie kein anderer Fluß auf der Erde.

 

Vielbeachtet ist dort an der Stelle eines der größten Renaturierungsprojekte Baden-Württembergs mit nun wieder zur Geltung kommenden Lebensräumen für Fische und Gewässerorganismen auch die Klanginstallation von Enrico Stolzenburg und Daniel Ott. Sie wurde 2022 auf Höhe der dortigen Brigach-Übergänge im Rahmen der Musiktage und zum 100jährigen Bestehen der Donaueschinger Musiktage eingeweiht, scheint mittlerweile allerdings ein wenig stiefmütterlich ins Hintertreffen geraten zu sein.

Dabei war der Standort von den Künstlern gezielt ausgesucht worden und auch die nicht weit entfernte B27 weniger als störend, sondern eher als «zeitgenössisch» dazu gehörend empfunden worden.

Jetzt entstand unter Regie des Regierungspräsidiums Freiburg, das sich bislang – trotz aller als wohltuend empfundenen Neugestaltung - nicht gerade durch «übertrieben» empfundene Beteiligung der Bürgerschaft hervorgetan hat, das Kunstwerk einer weiteren «Installation». Und zwar durchaus «raumgreifend» direkt neben der Klanginstallation, die trotz Internet-QR-Code und Touristen-Hinweis dadurch einen etwas unscheinbaren Charakter erhält: Eine Murmelbahn mit Holzschnitzereien und Darstellung örtlicher, denkmalhistorischer Bauten wie Stadtkirche und Schloß macht der Klangkunst plötzlich, ohne weitere Abtrennung und übergangslos abrupt Konkurrenz.

Martina Wiemer, die das Werden der Klanginstallation von 2022 in freundschaftlicher Verbundenheit mit den Musiktage-Künstlern begleitet hatte, artikuliert in einem Leserbrief deutliches Unbehagen.

 

 

Zwei Kunstwerke am selben Standort?

 

«Es ist wirklich wunderbar, was da am neu gestalteten Zusammenfluss alles entsteht. Der Beginn der Donau ist dort würdig gestaltet worden und ist ein Highlight für unsere Stadt. Auch verschiedene Kunstwerke werten diesen schönen Ort auf, wie zum Beispiel die Klanginstallation von Enrico Stolzenburg und Daniel Ott, die 2022 im Rahmen der Musiktage eingeweiht wurde. Entstanden ist die Idee der Installation durch die Komposition "Donau/Rauschen", anlässlich des 100. Jubiläums der Donaueschinger Musiktage, viele werden sich noch an die beeindruckende Aufführung von der Quelle bis zum Rathaus erinnern. Unten am Zusammenfluss sind nun, aus der Tiefe heraus, verschiedene Geräusche aus der Natur, unterschiedliche Stimmungen entlang der Donau und auch die politische Geschichte der Donau zu hören. Dazu bedarf es etwas Ruhe und Raum um die Installation wahrzunehmen und sich auf die Geräusche der Donau von der Quelle bis zum Schwarzen Meer einzustellen. Nun wird direkt an dieser Klanginstallation eine Murmelbahn gebaut und ich frage mich, wird man so den beiden sehr unterschiedlichen Kunstwerken gerecht? Das eine braucht Ruhe und am anderen wird es munter zugehen. Was mich aber wirklich erschüttert, ist der Umgang mit der Klanginstallation, sie wurden nicht geschützt, schweres Gerät ist über die Installation gefahren. Ich frage mich ernsthaft, ob das Regierungspräsidium nicht mehr weiß, dass sich an dem Ort eine Klanginstallation befindet. Das kann doch nicht möglich sein, sie haben dort alles geplant und sich auch mit der Stadt Donaueschingen abgesprochen. Wie kann man an einen Ort wo schon ein Kunstwerke steht ein zweites erstellen lassen? Sehr geehrte verantwortliche Damen und Herren aus dem Regierungspräsidium, bitte kümmern Sie sich um den Standort der Klanginstallation. Die Vielfältigkeit macht diesen Ort zu etwas Besonderen und verleiht ihm einen Zauber, lassen Sie es nicht zu, dass sich Kunst gegenseitig behindert und der Zauber gebrochen wird».

 

Martina Wiemer

 

Stolzenburg, Ott 2022. Screenshot: SWR

 

Die Künstler selbst über ihre Klanginstallation:

 

«(...) Die Klangskulptur erinnert uns daran, dass wir unseren Kontinent für die Zukunft nur gemeinsam denken wollen. Nur zusammen sind wir Fluss. Dies gilt für die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange, insbesondere aber auch für eine ökologische Perspektive, die, nötiger denn je, nur ein Miteinander sein kann.

Der Klang, der als akustische Skulptur zu hören ist, verwendet Tonaufnahmen aus allen zehn Anrainerstaaten: Geräusche des Wassers, der Biotope und Habitate, der Städte und Gemeinden, der von Menschen geformten Landschaften, die durch die Aufnahmen hörbar werden.

Wer den Zusammenfluss aufsucht, stelle sich die Kulisse der Donau vor, durch die der Fluss sich bis zur Mündung windet! Und dann die Assoziationen, die vom Klang der Skulptur in den Menschen ausgelöst werden. Hier, wo Breg und Brigach sich vereinen, können alle ihre Gedanken fliegen lassen, Kopfkino spielen in ferne Länder, Kulturen, Geschichten und Zeitgeschichte. Für letztere sorgen Archivtöne, kurze Ausschnitte, die, unter klanglichen und inhaltlichen Aspekten bestimmt, Gedankenfenster öffnen können. Beispielhaft ausgewählt sind die Demokratiebewegungen in Ungarn 1956 und der Tschechoslowakei 1968, der Krieg im Kosovo in den 1990er Jahren, bis hin zum Begriff der "Balkanroute", der seinen Ursprung in den Migrationsbewegungen unserer Zeit hat. Wie nah uns Konflikte in die Gegenwart führen, wird in dem erschütternden Hilferuf Wolodimir Selenskis vom März 2022 spürbar.

Die akustische Skulptur ist künstlerisch in Anlehnung an die Komposition Donau/Rauschen zu verstehen, die 2021 in Donaueschingen zu hören war. Sie ist in ihrer technischen Umsetzung ein ähnlich kooperativer Vorgang wie die Realisierung jener Landschaftskomposition in der Karlstraße zum Jubiläum der Musiktage. Alle Arbeiten kommen hier am Donauursprung unter Beachtung der wesentlichen Rahmenbedingungen wie Sicherheit, Naturschutz, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit zusammen (...)».

 

Ein wenig zu «beiläufig» geworden. Foto: klk.

 

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