Über Jahrzehnte hinweg war er ein prägender Faktor im kommunalen Geschehen, der Sozialdemokratie und über die Donaustadt hinaus. Im «Sternen» in Aufen feierte der Donaueschinger Ortsverein 60 Jahre Mitgliedschaft von Rüdiger Schell mit einem Ehrenanlass und zahlreichen Weggefährten.
Rüdiger Schell erweist sich seiner Jahrzehnte als Gymnasiallehrer wie auch als verdienter Kommunalpolitiker mit dem bekannten Zitat aus Goethes «Faust», der Tragödie zweiter Teil, als würdig: «Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss». Gleichzeitig legt er Wert auf die Feststellung, dass er in seiner Generation «kein 1968er» mit der seinerzeit revolutionären Grundeinstellung war. Auch kam er nicht aus einer klassischen «Arbeiterfamilie», sondern aus der eines liberal gesinnten Bankdirektors.
Zum Engagement in der Sozialdemokratie sei er vor allem durch die Ostpolitik Willy Brandts gekommen, deren Grundzügen er zu Studienzeiten mit 5000 Teilnehmern einer Hochschul-Veranstaltung in München gelauscht habe. Im Donaueschinger Gemeinderat hingegen habe es in der Anfangszeit sogar gegolten, ideologische Ressentiments, persönliche Feindschaften und eine stark vergiftete Grundstimmung zu bereinigen.
Grundstimmung bereinigt
1939 in die Familie des Bankdirektors Josef Schell und seiner Frau Maria Schell in Gengenbach im Ortenaukreis geboren, wuchs er zunächst in Waghäusel / Kirrlach (Kreis Karlsruhe), später in Radolfzell auf. Nach dem Abitur 1959 studierte er Geschichte, wissenschaftliche Politik, Deutsch und Philosophie in Freiburg, München und Heidelberg, wo er 1966 das Erste Staatsexamen ablegte. Nach dem Zweiten Staatsexamen am Studienseminar Rottweil schlug er die Laufbahn des Gymnasiallehrers ein.
Im Februar 1967 heirateten er und seine fortan Johanna, geb. Ellensohn. Schell’s Familie, seine «bessere Hälfte», Ehefrau Johanna als kritische, weltanschauliche Stütze und familiäre Instanz, Ex-OB Bernhard Everke, Kreistags-Kollege Lukas Duffner und viele «Sozis» wie Gottfried Vetter, von denen er eine überwiegende Mehrzahl im Laufe der Jahre persönlich «rekrutiert» hat, kamen in den «Sternen», um Erinnerungen auszutauschen. Auch MdB Derya Türk-Nachbaur, die einst als «Rote Sophie» bekannte Ex-Stadträtin Sophie Braun und Ratskollegen aus Bräunlingen stiessen dazu.


60 Jahre Sozialdemokratie: Rüdiger Schell im Kreis langjähriger Weggefährten (links). Lukas Duffner (St. Georgen, rechts) gratulierte.
Die Donaueschinger Sozialdemokratie profitierte seinerzeit davon, daß er sich von Anfang an in die Kommunalpolitik einbrachte. Von 1968 bis 1999 war er Stadtrat, davon 17 Jahre SPD-Fraktionssprecher und fünf Jahre lang Stellvertreter des OB. Seit 1971 war er Mitglied des Kreistags des Landkreises Donaueschingen und des Schwarzwald-Baar-Kreises. Von 1992 bis 2004 war er im Kreisgremium auch Sprecher der SPD-Fraktion.
Dissertation in Konstanz
Ein großer Teil seiner Aufmerksamkeit galt dem Neubau des SchwarzwaldBaar-Klinikums, mit dem 2009 begonnen wurde und das 2013 in Betrieb ging, aber auch der allgemeinen Behördenreform und immer wieder der Schulsozialarbeit. 2009 schied er als Kreisrat aus. 1997 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Schon vor seiner Pensionierung in 2003 befasst er sich mit wissenschaftlicher Arbeit in Geschichte, vornehmlich mit spätmittelalterlicher Landes- und Kirchengeschichte. Seit 2004 war er Doktorand der Universität Konstanz, an der er im Mai 2008 seine Doktorprüfung zum Dr. phil. Mit «magna cum laude» ablegte. Seine Dissertation handelte vom «Dominikanerinnenkloster Auf Hof bei Neudingen als Hauskloster der Grafen von Fürstenberg». Es folgten ein Buch über die Geschichte des Reichsarbeitsdienstes und das Hüfinger Lager mit dem Namen «Heinrich von Fürstenberg» und eine Art Kriegs-Tagebuch von und über Bart Heyning, einen holländischer Zwangsarbeiter, der von 1943 bis zum Kriegsende 1945 im fürstlichen Sägewerk in Hüfingen arbeitete.
Über Jahrzehnte hinweg ist Rüdiger Schell seiner Gesinnung treu geblieben